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Alexander Malter

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Der Pianist Alexander Malter, geboren in Moskau, wohnhaft in Berlin, arbeitet als Solist und Kammermusiker u.a. mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker im Vincent Trio. Er ist Mitbegründer und künstlerischer Direktor der Konzertreihen im Schloss Glienicke und künstlerischer Leiter des »Festival de Música Clásica Port de Sóller« auf Mallorca. 

Herr Malter,

seit drei Wochen leben Sie im freiwilligen Exil.

Wie fühlen Sie sich?
Ich fühle mich gut. Da keine Störungen aus der normalerweise hektischen Außenwelt auf mich einströmen, wirkt sich die Isolation auf mich positiv aus.

Wie hat sich Ihr Alltag verändert?

Sehr stark, weil meine Welt viel enger geworden ist. Ich kann mich viel mehr auf mich konzentrieren. Dieses wirkt sehr intensiv auf meinen schöpferischen Prozess.

Sie sind ja auch Künstlerischer Leiter der Konzertreihe im Schloss Glienicke.
Wie lange setzten Sie die Konzerte aus?

Bis zum 20. April 2020. Unsere Vorbereitungen für den Spielbetrieb haben wir auf diesen Zeitpunkt ausgerichtet. Die Künstler stehen ab diesem Datum bereit. Da wir aber  von den Behörden abhängig sind, haben die Künstler auch Verständnis dafür, falls wir dieses Datum nicht halten können.

Wie halten Sie Ihre persönliche künstlerische Form, wenn keine Auftritte stattfinden?
Meine künstlerische Form wächst am stärksten, wenn ich mich frei fühle. Dann verstärkt sich meine Konzentration. In den letzten Jahren hatte ich selten die  Möglichkeit, mir so lange Pausen vom Spielbetrieb einzurichten. Jetzt habe ich diesen Freiraum und damit entwickeln sich neue Ideen.

Mit was beschäftigen Sie sich gerade?
Ich versuche, mein technisches Niveau auf hohem Standard zu halten und meine Vorstellungen über Musik zu vertiefen.

Herr Malter, was meinen Sie damit?
Wenn ich mich mit der Musik beschäftige, dann setze ich mich mit meinem theoretisch vorhandenen Wissen auseinander und setze meine praktischen Erfahrungen dazu in Beziehung. Daraus kann eine neue Erkenntnis oder ein neues Verständnis entstehen, will heißen, dass in diesem Prozess eine Umstrukturierung  meines Wissens stattfindet.

Glauben Sie, dass die Pandemie des Corona Virus unsere Zukunft verändern wird?
Ja, ich bin sicher das Leben danach wird anders sein. Wie, kann man jetzt noch nicht absehen. Dieses gilt für alle Bereiche.

Glauben Sie, dass die Pandemie auch etwas Positives mit sich bringt?
Ich hoffe, ich glaube an die Menschheit. Der Materialismus wird sich abschwächen und die Menschen werden das Geistliche und Kulturelle mehr in den Vordergrund stellen.

Meine letzte Frage an Sie.
Wie kann Musik der Gesellschaft in dieser außergewöhnlichen Situation helfen?
Jeder Mensch braucht Schönheit und Harmonie in seinem Leben. Klassische Musik erzeugt diese Schönheit und Harmonie im Inneren des Menschen. Seine persönliche Identität wird dadurch gestärkt. Damit ist er besser in der Lage, sich von äußeren negativen Einflüssen abzugrenzen.

Vielen Dank Herr Malter!

Das Interview mit Herrn Malter führte Petra Schroeter-Lütje.

 

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